Die Sony ZV-E10 war jahrelang die Referenz für Einsteiger-Creator. Günstiger Einstieg ins E-Mount-System, guter AF, kompaktes Paket. Die ZV-E10 II (2023) ist kein kosmetisches Update — sie bringt einen neuen Sensor, 4K/60p und S-Log3. Die Frage: Rechtfertigt das den Aufpreis von rund 150–200 Euro gegenüber der Mk1?
Kurzurteil: Ja — wenn du 4K/60p oder Log-Video brauchst. Für Einsteiger, die hauptsächlich 4K/30p und kein Color Grading machen, bleibt die ZV-E10 Mk1 (gebraucht) die günstigere Wahl.
Dieser Testbericht basiert auf technischen Daten, Herstellerinformationen und ausgewerteten Praxiserfahrungen etablierter Fachquellen.
Sony ZV-E10 II auf einen Blick
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Sensor | 26 MP APS-C BSI Exmor R CMOS |
| Bajonett | Sony E-Mount |
| Video max. | 4K/60p (Super35-Crop), 4K/30p (kein Crop) |
| Log-Profile | S-Log3, S-Cinetone, HLG |
| Autofokus | Phase Detection, Real-time Eye/Face/Animal AF |
| Stabilisierung | Kein IBIS, elektronischer SteadyShot |
| Sucher | Keiner |
| Display | 3,0″ vollständig klappbarer Touchscreen |
| Ton-Eingang | 3,5 mm Klinke + Kopfhörerausgang |
| Mikrofon eingebaut | 3-Kapsel-Richtmikrofon |
| Anschlüsse | USB-C (Laden + Streaming), Micro-HDMI |
| Preis (ca.) | ~750 € Gehäuse, ~850 € mit Kit-Objektiv |
Bildqualität
Der neue 26-MP-BSI-Sensor ist ein spürbares Upgrade gegenüber dem 24-MP-Sensor der Mk1. BSI-Technologie (Backside Illuminated) verbessert die Lichtausbeute pro Pixel — das Ergebnis: bessere ISO-Performance ab 3200 aufwärts. Für Creator, die in Innenräumen filmen oder Event-Fotos in schlechtem Licht machen, ist das ein konkreter Vorteil.
Die Bildqualität bei ISO 100–1600 liegt auf demselben Niveau wie die ZV-E10 Mk1 — exzellent für die Klasse. Der Unterschied zeigt sich erst im anspruchsvolleren Licht: ISO 3200 ist bei der ZV-E10 II merklich sauberer, ISO 6400 noch gut nutzbar.
Für Fotos gilt: 26 MP sind komfortabel für Crops und kleinere Druckausgaben bis A3.
Autofokus und Motiverkennung
Sonys Real-time Eye AF ist in der ZV-E10 II nochmals verbessert. Gesichter werden auch bei Halbprofilansicht zuverlässig erkannt, Tieraugen werden korrekt verfolgt — das ist gegenüber der ZV-E10 Mk1 eine spürbare Verbesserung.
Für Video: Der AF ist im Videobetrieb sanft und vermeidet Pumpen weitgehend. Bei scharfem Gegenlicht oder sehr dunklen Szenen gibt es gelegentlich kurze Suchbewegungen — das ist systembedingt bei allen AF-Systemen dieser Preisklasse.
Vergleich zu Canon: Canons Dual-Pixel-AF II (R50, R10) bleibt in der Tieraugenerkennung leicht vorne. Bei Porträt- und Vlog-Anwendungen ist der Unterschied minimal.
Video: Der wichtigste Grund für die ZV-E10 II
Das ist das Kernargument für das Upgrade. Die Mk1 konnte nur 4K/30p — mit leichtem Crop. Die ZV-E10 II bringt:
| Funktion | ZV-E10 (Mk1) | ZV-E10 II |
|---|---|---|
| 4K/30p | ✓ (Crop) | ✓ (kein Crop) |
| 4K/60p | ✗ | ✓ (Super35-Crop) |
| S-Log3 | ✗ | ✓ |
| S-Cinetone | ✗ | ✓ |
| HLG | ✗ | ✓ |
| Maximale Bitrate | 100 Mbit/s | 200 Mbit/s |
Was bedeutet das in der Praxis?
4K/60p ermöglicht Zeitlupen in 4K (auf 4K oder 1080p verlangsamt) — für Produktvideos, Sport oder kreative Cuts ein echter Mehrwert.
S-Log3 ist das entscheidende Feature für alle, die Color Grading machen. Das flache Bildprofil erhält maximalen Dynamikumfang und erlaubt in DaVinci Resolve oder Premiere Pro die nachträgliche Kontrollmöglichkeit über Look und Farbe. Ohne S-Log3 ist die ZV-E10 Mk1 für professionellen Content-Output eingeschränkt.
Überhitzung: Bei langen Aufnahmen (30+ Minuten kontinuierlich) kann das Gehäuse warm werden. Für kurze bis mittellange Vlog-Sessions ist das kein Problem.
Ton: 3-Kapsel-Richtmikrofon
Das eingebaute 3-Kapsel-Richtmikrofon der ZV-E10 II ist ein Qualitätssprung gegenüber dem einfachen Richtmikrofon der Mk1. Es nimmt vorwärts gerichtetes Sprach-Audio mit weniger Hintergrundrauschen auf — für solo Creator ein direkter Vorteil, ohne externes Mikrofon.
Für professionellen Ton bleibt der externe 3,5-mm-Eingang das Mittel der Wahl. Ein Rode VideoMicro oder DJI Mic 2 in Kombination mit der ZV-E10 II ergibt Ton auf Profi-Niveau.
Bedienung und Ergonomie
Das Gehäuse ist kompakt — rund 290 g ohne Objektiv. Das klappbare Display ist vollständig drehbar, ideal für Selfie-Aufnahmen. Es gibt keine dedizierte Foto-Aufnahmetaste für Video-First-Nutzer — ein bewusstes Design-Entscheid von Sony.
Kein Sucher. Wer bei Sonnenlicht fotografiert, kämpft mit dem Display. Für reine Video-Creator ist das kein Problem. Für Fotografen, die auch outdoor in Helligkeit arbeiten: Canon EOS R50 oder Nikon Z50 haben hier Vorteile.
USB-C-Stromversorgung während der Aufnahme: Möglich und stabil — ein großes Plus für lange Livestream-Sessions oder stationäre Setups.
Stärken und Schwächen
Stärken:
- 4K/60p ohne teure Kamera-Klasse — einzigartig unter 800 Euro
- S-Log3 und S-Cinetone für professionelles Color Grading
- Riesiges Sony-E-Mount-Ökosystem mit Tausenden günstiger Gebraucht-Objektive
- Sanfter Video-AF mit Gesichts- und Augenerkennung
- USB-C-Laden während der Aufnahme
- 3-Kapsel-Richtmikrofon verbessert gegenüber Mk1
Schwächen:
- Kein IBIS — Gimbal oder elektronische Stabilisierung nötig für ruhige Geh-Videos
- Kein Sucher — bei Sonnenlicht Display schwer ablesbar
- Micro-HDMI statt Full-HDMI — ein extra Kabel für externe Aufzeichnung
- Kein Wetterschutz
- Beim Super35-4K/60p-Crop verliert das Kit-Objektiv etwas Bildwinkel
Für wen eignet sich die ZV-E10 II?
Ideal für:
- YouTube-Creator und Vlogger, die 4K/60p oder Log-Video für Schnitt und Grading brauchen
- Creator, die ins Sony E-Mount System einsteigen und langfristig erweitern wollen
- Alle, die auf ihren Kanälen professionellen Aussehen wollen ohne Vollformat-Budget
Nicht ideal für:
- Fotografen, die primär Fotos machen (kein EVF, Display-only)
- Handheld-Video ohne Gimbal (kein IBIS)
- Sehr dunkle Locations ohne zusätzliches Licht (Vollformat wie Sony ZV-E1 hat hier deutlichen Vorteil)
ZV-E10 II vs. ZV-E10 Mk1 — Wann lohnt das Upgrade?
| Nutzertyp | Empfehlung |
|---|---|
| 4K/30p, kein Log, kleines Budget | ZV-E10 Mk1 (gebraucht ~350–450 €) |
| 4K/60p oder S-Log3 gewünscht | ZV-E10 II |
| Seriöser YouTube-Creator | ZV-E10 II |
| Fotografen mit Video-Nebennutzung | Canon EOS R50 (besserer AF, aber kein Log) |
Alternativen
Canon EOS R50 (~650 €) — Bester AF, kein Log
Canons Dual-Pixel-AF II ist in der Tieraugenerkennung leicht besser. Die R50 hat kein S-Log3 und nur 4K/30p mit leichtem Crop — für Creator, die kein Color Grading machen und starken AF priorisieren, ist sie die bessere Wahl.
Nikon Z30 (~600 €) — Stereo-Mikrofon, kein Log
Nikons Stereo-Einbaumikrofon ist einzigartig in der Klasse. 4K/30p ohne Crop. Kein Log, kein 60p. Für kurze, spontane Vlogs ohne Grading das günstigere Sony-Pendant.
Fujifilm X-S20 (~1.100 €) — Mit IBIS, mit Log
Fujifilms X-S20 hat 5-Achsen-IBIS und F-Log2 — das fehlende IBIS der ZV-E10 II ist damit kompensiert. Kostet aber ~350 Euro mehr.
Preis und Kaufempfehlung
→ Sony ZV-E10 II Preis auf Amazon prüfen
Für ca. 750 Euro (Gehäuse) oder ca. 850 Euro (Kit mit E 16-50 mm PZ) ist die ZV-E10 II das umfangreichste Video-Paket unter 1.000 Euro im APS-C-Bereich.
Fazit
Die Sony ZV-E10 II ist kein Nischen-Update — sie behebt die zwei größten Schwächen der Mk1: kein Log-Profil und kein 4K/60p. Das macht sie zu einer ernsthaften Creator-Kamera im Einsteigersegment. Wer bisher die ZV-E10 Mk1 betrieben hat und 4K/60p oder Color Grading vermisst hat, findet hier das Upgrade. Wer mit 4K/30p und ohne Log auskommt: Die Mk1 gebraucht für rund 350 Euro ist nach wie vor exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Weiterführend: Sony ZV-E10 Test (Mk1) · Beste Kamera für Video 2026
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen ZV-E10 und ZV-E10 II?
Die wichtigsten Unterschiede: neuer 26-MP-BSI-Sensor (vs. 24 MP), 4K/60p (vs. kein 60p), S-Log3 und S-Cinetone (vs. kein Log), höhere maximale Bitrate (200 Mbit/s vs. 100 Mbit/s) und verbesserter 3-Kapsel-Richtmikrofon. Design und Bajonett (E-Mount) bleiben identisch — vorhandene Objektive passen ohne Adapter.
Ist die ZV-E10 II gut für Fotografie?
Ausreichend für Gelegenheitsfotografie. 26 MP, guter AF mit Augenerkennung, schnell genug für Alltagsszenen. Für ernsthaftes Fotografieren fehlt der Sucher — bei Sonnenlicht ist das Display schwer ablesbar. Wer primär fotografiert und Video als Nebennutzung sieht: Canon EOS R50 hat den besseren Foto-Workflow (EVF-Option über R10, mehr Objektivzubehör in der APS-C-Klasse).
Kann ich meine alten Sony-Objektive an der ZV-E10 II nutzen?
Ja — alle Sony-E-Mount-Objektive (APS-C: E-Serie, Vollformat: FE-Serie) passen direkt ohne Adapter. FE-Vollformatobjektive nutzen den vollen Bildkreis — an der ZV-E10 II mit APS-C-Sensor ergibt das den üblichen 1,5× Cropfaktor. Das E-Mount-Ökosystem ist mit über 100 nativen Objektiven das größte im APS-C-Bereich.
Brauche ich einen Gimbal mit der ZV-E10 II?
Für Geh-Aufnahmen: ja. Die ZV-E10 II hat keinen IBIS — elektronischer SteadyShot kompensiert leichte Verwacklungen, aber Laufbewegungen sehen ohne Gimbal verwackelt aus. DJI OM 6 oder Hohem Smooth Q4 (~100–120 Euro) sind günstige Optionen, die mit dem Gewicht der ZV-E10 II problemlos umgehen. Für stationäre Aufnahmen (Desk Setup, Interview, Tutorial) ist kein Gimbal nötig.
