Vollformat, so klein wie ein Stück Seife: Die Sigma fp hat bei ihrer Einführung gezeigt, was möglich ist, wenn man alles Nicht-Wesentliche weglässt — Spiegel, Sucher, Griff, Blitz, IBIS. Was bleibt, ist ein 35-MP-Vollformat-Sensor im kleinsten Vollformat-Gehäuse, das je gebaut wurde, mit L-Mount-Bajonett und CinemaDNG-Videofähigkeit. Dieser Test zeigt, für wen das eine ernsthafte Option ist — und für wen nicht.
Kurzurteil: Die Sigma fp ist ein Spezialwerkzeug für Cine-Videografen und Streetfotografen, die Vollformat in minimaler Packgröße suchen. Wer einen alltagstauglichen AF, IBIS oder einen Sucher braucht, greift zu Sony A7C II oder ähnlichen.
Dieser Testbericht basiert auf technischen Daten, Herstellerinformationen und ausgewerteten Praxiserfahrungen etablierter Fachquellen.
Sigma fp auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Sensor | 35,4 MP BSI CMOS Vollformat (35 mm) |
| Bildstabilisierung | Kein IBIS |
| Sucher | Kein EVF — nur 3,15” LCD-Rückbildschirm |
| Autofokus | Contrast-AF mit Face-/Eye-Detection |
| Serienbilder | 18 fps (elek.) · 4 fps (mech.) |
| Video intern | 4K/24p · 4K/30p · 1080p · H.264 MOV |
| Video extern | CinemaDNG RAW via HDMI |
| Wetterschutz | Nein |
| Speicher | 1× SD UHS-II |
| Akku | BP-51 · ca. 200 Aufnahmen |
| Gewicht | 422 g (Gehäuse ohne Objektiv) |
| Maße | 112,6 × 69,9 × 45,3 mm |
| Bajonett | L-Mount (Sigma, Panasonic, Leica) |
| Preis | ca. 1.400 Euro |
Bildqualität
Der 35,4-MP-BSI-Vollformatsensor liefert exzellente Bildqualität: hoher Dynamikumfang, natürliche Farben und gute High-ISO-Leistung. Bei ISO 3200–6400 zeigt die fp deutlich weniger Rauschen als APS-C-Kameras; der Vollformat-Vorteil ist real und sichtbar.
High-ISO: Die fp hält bis ISO 6400 sehr gut durch — bei ISO 12800 ist Rauschen sichtbar, aber praxistauglich. Für Street-, Dokumentar- und Low-Light-Fotografie ist das ein echter Stärken-Bereich. CinemaDNG-Videoaufnahmen zeigen vergleichbare Qualität und erlauben deutlich mehr Spielraum in der Farbkorrektur.
Farbe und Rendering: Sigma verwendet eine eigene Farbwissenschaft, die eher kühle, neutrale Tonwerte erzeugt — anders als Fujifilms warme Filmsimulationen oder Sonys tendenziell lebendige Farben. Für Color-Grading-orientierte Videografen ist das ein Vorteil: Neutral ist der beste Ausgangspunkt für individuelle LUTs.
Autofokus
Contrast-Detection-AF mit Face- und Eye-Detection — das ist der schwächste Punkt der fp. Für statische Motive, Portraits im Studio, Landschaft und ruhende Straßenszenen trifft er gut. Für schnelle Motive — Kinder, Sport, Tiere in Bewegung — ist er klar unterlegen gegenüber Phase-AF-Systemen.
Keine Phase-Detect: Das fehlt der fp konsequent. Wer die fp als Straßenkamera einsetzt und meist statische Szenen oder langsame Bewegungen fotografiert, kommt zurecht. Wer schnelle Motive tracking-sicher einfangen will, nimmt die Sony A7C II oder Fujifilm X-H2S.
Manueller Fokus: Mit Magnification und Focus Peaking (Schärfeindikator durch Farbmarkierung) lässt sich manueller Fokus präzise arbeiten — für Videoproduktionen mit festem Fokus eine sinnvolle Arbeitsweise.
Video — CinemaDNG und Cine-Ausrichtung
Das ist das Kernstück der fp: Intern zeichnet sie 4K/24p und 4K/30p in H.264 auf; via HDMI-Ausgang liefert sie CinemaDNG RAW-Signal an einen externen Recorder (z.B. Atomos Ninja V). Das ergibt 12-Bit-RAW-Footage mit maximalem Dynamikumfang — für Cine-Produktionen, Musikvideos und kommerzielle Drehs ein vollwertiges Werkzeug.
Kein 4K/60p: Für Slow-Motion oder flüssige Sportvideos ist das ein klares Limit. Die fp ist für cineastisches, planvolles Arbeiten ausgelegt — kein Allrounder für Eventfotografie oder spontane Zeitlupen.
USB-C Power Delivery: Die fp kann während der Aufnahme per USB-C dauerhaft betrieben werden — relevant für lange Drehtage oder installierte Kamera-Setups, bei denen Akkuwechsel nicht praktikabel ist.
Director Mode: Ein Kamera-Modus, der das Gehäuse als modularen Cinema-Body behandelt: Belichtungsanzeige, Fokuspunkte und Aufnahmestatus sind auf das Minimum reduziert. Kombiniert mit einem externen Monitor (z.B. über HDMI) und einem Cage-Rig entsteht ein professionelles Cine-Setup im Kleinstformat.
Bedienung und Ergonomie
Minimal — absichtlich. Die fp hat keinen Griff (nur eine flache Unterseite), keinen EVF, keine physischen Tasten an der Oberseite wie bei klassischen Kameras. Die Bedienung läuft größtenteils über das 3,15”-Touchdisplay und drei Steuerräder. Das erfordert eine neue Art des Arbeitens: Die fp ist keine Kamera, die man “schnell greift” — sie will bewusst eingesetzt werden.
Kein Sucher: Nur das LCD. Bei hellem Sonnenlicht ist das Display trotz gutem Kontrast schwieriger ablesbar als ein EVF. Für Straßenfotografie im Schatten oder im Studio kein Problem; draußen in der Sonne kann das Kompositions-Framing mühsam werden. Über Drittanbieter lässt sich ein externer EVF (Sigma EVF-11) aufstecken — das hebt das Gewicht und die Kompaktheit des Systems.
Größe: 112,6 × 69,9 × 45,3 mm. Mit einem Sigma-Objektiv wie dem 45mm f/2.8 DG DN Contemporary (~215 g) bleibt die Gesamtkombination unter 650 g — für ein Vollformat-System außergewöhnlich kompakt.
Akku
Der BP-51-Akku ist klein und liefert ca. 200 Aufnahmen — das ist wenig. Für kurze Shooting-Sessions oder kontrollierten Studio-Einsatz reicht es; für einen langen Drehtag braucht man mehrere Akkus oder den USB-C-Dauerbetrieb. Für Video-Produktionen ist USB-C-Power die empfohlene Lösung.
Stärken und Schwächen
Stärken:
- Kleinstes Vollformat-Gehäuse — 422 g, 45 mm Bauhöhe
- 35,4 MP BSI FF — exzellente Bildqualität und High-ISO-Leistung
- CinemaDNG via HDMI — professionelle Raw-Video-Workflow-Option
- USB-C-Dauerbetrieb — für lange Drehtage ohne Akkuproblem
- L-Mount: Zugang zu Sigma Art, Panasonic S und Leica-Objektiven
- Neutral, cine-orientierte Farbwissenschaft — ideal für Color-Grading
Schwächen:
- Kein EVF — draußen bei Sonne schlechte Sichtbarkeit des LCD
- Kein IBIS — bei schlechtem Licht oder Video aus der Hand deutliche Einschränkung
- Contrast-AF — keine Phase-Detect, schnelle Motive schwierig
- Kein 4K/60p — cineastisches Werkzeug, kein Allrounder
- Nur ~200 Aufnahmen pro Akku
- Kein Wetterschutz
Für wen eignet sich die Sigma fp?
- Cine-Videografen, die CinemaDNG Raw in einem kleinen Rig wollen
- Streetfotografen, die Vollformat in einem Gehäuse wollen, das in der Hosentasche Platz findet
- Modularer Systemaufbau: Die fp als Core-Modul in einem Cage-Rig mit externer Spannungsversorgung, Monitor und EVF
- Fotografen im L-Mount-Ökosystem, die eine kompakte zweite Kamera suchen
Für wen eignet sie sich nicht?
- Familienfotos, Sport und schnelle Motive (Contrast-AF zu langsam)
- Einsteiger, die eine vielseitige erste Kamera suchen
- Reisefotografen, die alles aus einer Kamera brauchen
- Videografen, die 4K/60p oder IBIS benötigen
Alternativen
Sigma fp L — mehr Auflösung, gleiche Philosophie
61 MP statt 35 MP, ansonsten ähnliches Konzept. Für ~2.500 Euro erhält man eine der höchstauflösenden Vollformat-Optionen auf dem Markt im gleichen kompakten Format. Für Produkt- und Studio-Fotografie mit Auflösungsanforderungen sinnvoll; für Video bietet die fp L gegenüber der fp weniger Vorteil als die Pixel-Zahl vermuten lässt.
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Sony A7C II — kompaktes Vollformat mit IBIS und Phase-AF
Ähnliche Preisklasse (~2.300 Euro), Vollformat, aber mit IBIS, Phase-Detect-AF und 4K/60p. Deutlich vielseitiger als die fp; deutlich weniger kompakt (514 g) und ohne das modulare Cine-Konzept.
Leica Q3 — kompaktes Vollformat mit Fixobjektiv
Leicas kompakte FF-Alternative (~6.000 Euro) mit fest eingebautem 28mm f/1.7. Kein Wechselobjektiv, aber einzigartiger Leica-Bildcharakter und Phase-AF.
Fazit
Die Sigma fp ist kein Kamera für jeden — sie ist ein Werkzeug für Menschen, die genau wissen, was sie wollen: Vollformat in minimalem Gehäuse, CinemaDNG für professionelle Videoproduktionen, oder einen Cine-Body, der als modulare Plattform aufgebaut wird. Wer dagegen eine vielseitige Alltagskamera sucht, findet mit Sony A7C II, Fujifilm X-H2 oder anderen Vollformat-Modellen eine deutlich praxistauglichere Option. Die fp ist das Spezialistengerät — und für die richtigen Hände außergewöhnlich gut.
Häufig gestellte Fragen
Lohnt sich die Sigma fp 2026 noch — oder lieber fp L?
Die fp lohnt sich 2026 für Cine-Videografen und Streetfotografen, die Vollformat in minimalem Paket wollen und bereit sind, auf IBIS, EVF und schnellen AF zu verzichten. Die fp L (61 MP) ist sinnvoll, wenn maximale Auflösung für Studio oder Landschaft gefragt ist — der Aufpreis (~1.100 Euro) ist nur gerechtfertigt, wenn 61 MP konkret gebraucht werden. Für Video bieten beide praktisch dasselbe CinemaDNG-Konzept; für Foto ist fp L deutlich reservefreudiger beim Croppen.
Wie gut ist der Autofokus der Sigma fp in der Praxis?
Für langsame und statische Motive — Street, Portrait im Studio, Landschaft — ist der Contrast-AF mit Face-Detection zuverlässig. Sobald Motive sich schnell bewegen (Kinder, Sport, Tiere), zeigt der AF deutliche Schwächen; Phase-Detect fehlt. Die fp ist keine Kamera für reaktionsschnelle Verfolgungsaufnahmen. Für Videoproduktionen mit pre-gesetztem Fokus oder manuellem Fokus mit Focus Peaking ist das kein Problem — die fp funktioniert in Setups, die AF gar nicht verwenden.
Kann die Sigma fp wirklich als einzige Kamera dienen?
Nur für sehr spezifische Nutzungsfelder: Street- und Dokumentarfotografie (ruhige Motive, gutes Licht), Studio-Foto und kontrollierte Cine-Video-Setups. Als Reisekamera, Familienkamera oder Sportfotografie-Gerät ist sie zu eingeschränkt — kein IBIS, kein schneller AF, kein EVF. Die fp funktioniert am besten als Zweitkamera in einem System, oder als Hauptkamera für Cine-Produktionen, bei denen das Rig ohnehin mit externem Monitor und externer Spannungsversorgung aufgebaut wird.
Hat die Sigma fp Bildstabilisierung?
Nein — die fp hat weder In-Body-Stabilisierung (IBIS) noch einen optischen Bildstabilisator (OIS ist jeweils im Objektiv). Für Fotografie mit ausreichend Licht und kurzen Verschlusszeiten ist das kein Problem; für Langzeitbelichtungen ist ein Stativ Pflicht. Für Videoaufnahmen aus der Hand ist die Erschütterung ohne Stabilisierung sichtbar — ein Gimbal oder Cage-Rig mit Stabilisierung ist für professionelle Video-Setups mit der fp Standard.
Welchen Video-Workflow bietet die Sigma fp mit CinemaDNG?
Intern zeichnet die fp 4K/24p und 4K/30p in H.264 MOV auf. Der professionelle Workflow nutzt den HDMI-Ausgang an einen externen Recorder (z.B. Atomos Ninja V, ~700 Euro): Dort wird CinemaDNG RAW (12-Bit) aufgezeichnet — mit dem vollen Dynamikumfang des 35-MP-BSI-Sensors, ohne Kompression. Das ergibt maximale Flexibilität in Color-Grading-Software (DaVinci Resolve unterstützt CinemaDNG nativ). Für einfaches Vlogging ohne CinemaDNG-Anforderungen reicht die interne H.264-Aufzeichnung; für Produktionen mit professionellem LUT-Workflow ist der externe Recorder der empfohlene Pfad.
Welche Objektive passen zur Sigma fp?
Die fp nutzt L-Mount — das gemeinsame Bajonett von Sigma, Panasonic und Leica. Das bedeutet Zugang zu allen L-Mount-Objektiven: Sigma Art-Serie (z.B. 35mm f/1.4 DG DN, 85mm f/1.4 DG DN), Panasonic S-Objektive und Leica SL-Objektive. Für die kompakte fp empfehlen sich besonders die kleinen Sigma I-Serie Contemporary-Objektive: Das 45mm f/2.8 DG DN (~230 Euro, 215 g) passt perfekt zur minimalistischen Philosophie der fp. Für Cine-Video ist das Sigma Cine-Line (High-Speed-Primes) eine Option. L-Mount hat mit Tamron SP-Series mittlerweile auch günstigere Drittanbieter-Alternativen.
Wie ist die Stabilisierung ohne IBIS in der Praxis?
Der fehlende IBIS ist der größte Kompromiss der fp. Für Landschafts- und Dokumentarfotografie bei gutem Licht (1/200s und kürzer) kaum merkbar. Für Innenräume, Abendlicht oder lange Brennweiten ist ein Stativ nötig — die fp ist konsequent für geplantes Arbeiten ausgelegt. Für Video ist die Konsequenz am deutlichsten: Ohne Gimbal oder Stativ zeigt Handheld-Video die typische Walk-And-Talk-Verwacklung. Das ist der Grund, warum die fp in der Praxis fast immer in einem Cage-Rig mit externem Monitor und Gimbal eingesetzt wird — kein Problem für das Einsatzfeld, für das sie konzipiert ist.
Weiterführend: Leica Q3 Test · Sony A7C II Test
