Die Panasonic Lumix G9 II markiert einen Einschnitt in der Geschichte der G-Serie: Erstmals arbeitet eine Panasonic-Kamera dieser Klasse mit Phasendetektions-AF — ein System, auf das Wildlife- und Sportfotografen Jahre gewartet haben. Dazu 8-EV-IBIS, 4K/120p-Video, 5,7K Open Gate und IP53-Wetterschutz in einem Gehäuse, das sich klar an professionelle Ansprüche richtet.
Kurzurteil: Die G9 II ist das technisch vollständigste Micro-Four-Thirds-Modell auf dem Markt — mit Stärken, die weit über die MFT-Klasse hinausgehen.
Dieser Testbericht basiert auf technischen Daten, Herstellerinformationen und ausgewerteten Praxiserfahrungen etablierter Fachquellen.
Panasonic Lumix G9 II auf einen Blick
| Eigenschaft | Panasonic Lumix G9 II |
|---|---|
| Sensor | 25,2 MP BSI CMOS Micro Four Thirds |
| Autofokus | Phasen-AF · 6 Motivklassen |
| IBIS | 8 EV (bis 8 EV mit Dual IS + OIS) |
| Serienbilder mech. | 14 fps mit AF |
| Serienbilder elek. | 60 fps mit AF |
| Video max. | 4K/120p · C4K/60p · 5,7K Open Gate |
| Wetterschutz | IP53 |
| Gewicht | ~658 g (mit Akku und Karte) |
| Akku | DMW-BLK22 · ca. 380 Aufnahmen (CIPA) |
| Speicher | Dual SD UHS-II |
| Bajonett | Micro Four Thirds |
| Preis (ca.) | ~1.500–1.700 Euro |
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Sensor und Bildqualität
Der 25,2-MP-BSI-CMOS-Sensor ist eine deutliche Auflösungssteigerung gegenüber den 20,3 MP des Vorgängers G9. BSI (Back-Side Illuminated) bedeutet mehr Lichteffizienz — der Sensor sammelt mehr Licht pro Pixel, was sich besonders bei höheren ISO-Werten in weniger Rauschen niederschlägt.
Die G9 II unterstützt High Resolution Shot für Aufnahmen mit bis zu 100 MP durch Pixelshift-Technologie — ideal für Landschaft und Studio, wo das Motiv ruhig steht. Im Alltag liefert der 25,2-MP-Sensor Bilder mit hoher Detailwiedergabe, die für A2-Druck und großzügiges Cropping in der Wildtierfotografie ausreichen.
Dual Native ISO ist ebenfalls an Bord: Zwei native ISO-Werte reduzieren das Rauschen bei hohen Empfindlichkeiten. In der Praxis bedeutet das besseres Rauschverhalten bei ISO 3200–6400 gegenüber einem Single-Native-ISO-Sensor gleicher Größe.
Autofokus: Phasendetektion erstmals in der G-Serie
Dies ist die größte technische Neuerung der G9 II. Alle vorherigen Panasonic-G-Modelle arbeiteten mit rein kontrastbasiertem Depth-from-Defocus-AF (DFD) — präzise bei ruhigen Motiven, aber in schnellen Tracking-Situationen begrenzt. Die G9 II kombiniert Phasendetektions-Pixel direkt auf dem Sensor mit dem bewährten DFD-System.
6 Motivklassen: Mensch (Körper, Gesicht, Auge), Tier (Körper, Gesicht), Vogel (Körper, Auge), Auto, Motorrad, Zug — der AF erkennt das Motiv und verfolgt es aktiv durch das Bild. Für Wildlife-Fotografen ist besonders die Tier- und Vogelerkennung relevant: Die G9 II kann einen Vogel im Flug identifizieren und das Auge tracken — etwas, das mit dem alten DFD-System nur eingeschränkt möglich war.
Bei 60 fps elektronischem Shutter bleibt das AF-System aktiv und trackt das Motiv. Das ist ein konkreter Vorteil für Sport- und Wildtierfotografie gegenüber allem, was die G-Serie bisher geboten hat.
IBIS und Bildstabilisierung
Der Body-IS der G9 II erreicht 8 EV Verwacklungskorrektur nach CIPA-Norm. In Kombination mit einem OIS-Objektiv (optische Bildstabilisierung im Glas) und aktiviertem Dual IS erhöht sich die effektive Stabilisierung weiter — Panasonic nennt das System Dual IS 2.
Für Video bedeutet das: Handheld-Aufnahmen bei 4K ohne Gimbal, mit deutlich reduzierten Verwacklungsartefakten. Der elektronische Stabilisator (e-Stabilizer) kann zusätzlich aktiviert werden — mit leichtem Crop, aber maximaler Handheld-Stabilität für Videoergebnisse, die sonst einen Gimbal erfordern würden.
Video: 4K/120p, C4K/60p und Open Gate
Die G9 II ist eine der vollständigsten Video-MFT-Kameras auf dem Markt:
- 4K/120p — Zeitlupe in nativer 4K-Auflösung, keine Herabsetzung auf 1080p wie bei älteren Modellen
- C4K/60p — Cinema 4K (4096 × 2160) mit 60 fps, voller Sensor ohne Crop
- 5,7K Open Gate — das vollständige Sensorfeld ohne Beschneidung, für maximale Flexibilität im Schnitt und Reframing
- V-Log L — Panasonics Log-Gamma für professionellen Farbspielraum in Post
- HDMI RAW-Ausgabe — für externe Recorder wie Atomos Ninja, ProRes-RAW-Workflow möglich
Das Wärmemanagement ist bei langen Videoaufnahmen ein relevanter Punkt. Die G9 II ist für Clips und semi-professionellen Video-Einsatz konzipiert; bei 4K/60p-Dauerbetrieb erreicht sie je nach Umgebungstemperatur nach ca. 30–60 Minuten das thermische Limit. Für kurze Clips, YouTube-Content und Interview-Situationen ist das kein praktisches Problem. Für mehrstündige Event-Videografie empfiehlt sich HDMI-Recording auf einen externen Recorder.
Bedienung und Ergonomie
Das Gehäuse der G9 II ist IP53-zertifiziert — Schutz gegen Staubpartikel und Spritzwasser in jeder Richtung. Für Outdoor-Fotografie bei Regen oder in staubiger Umgebung ist das ein konkreter Vorteil gegenüber Kameras ohne Versiegelung.
Mit ~658 g (inkl. Akku und Karte) ist die G9 II das schwerste Modell in der MFT-Klasse — aber die Ergonomie rechtfertigt das: großer Griff, vollständige Direkttasten, zwei SD-Schächte (UHS-II), OLED-EVF und klappbares Touchdisplay. Für einen langen Tag in der Natur ist das Handling angenehmer als ein kompakteres Gehäuse ohne Griff.
Der DMW-BLK22-Akku (gleich wie GH6 und S5 II) liefert ca. 380 Aufnahmen nach CIPA — für intensive Wildlife-Sessions sollte ein Ersatzakku dabei sein. USB-C-Laden und -Betrieb sind möglich.
Vergleich: G9 II vs OM System OM-1
Beide Kameras sind das MFT-Flaggschiff ihres jeweiligen Herstellers. Beide lohnen sich für professionelle MFT-Nutzer — aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten:
| Eigenschaft | Panasonic Lumix G9 II | OM System OM-1 |
|---|---|---|
| Sensor | 25,2 MP BSI (nicht gestapelt) | 20,4 MP Stacked BSI |
| Serienbilder elek. | 60 fps mit AF | 50 fps RAW (gestapelt) |
| Video | 4K/120p · C4K/60p · 5,7K OG | 4K/60p · C4K/60p |
| Rolling Shutter | Sichtbar bei schnellen Motiven | Minimal (gestapelt) |
| Wetterschutz | IP53 | IP53 |
| Akku | DMW-BLK22 · ~380 Aufnahmen | BLX-1 · ~520 Aufnahmen |
| Preis (ca.) | ~1.500–1.700 € | ~1.800–2.000 € |
Der gestapelte Sensor des OM-1 hat einen technischen Vorteil: minimaler Rolling Shutter bei schnellen Motiven und Schwenks. Die G9 II hat dafür mehr Videofunktionen (4K/120p, Open Gate) und mehr Megapixel (25,2 vs. 20,4 MP). Für reine Fotografie mit maximaler Burst-Geschwindigkeit und minimalem Rolling Shutter: OM-1. Für Video-Hybrid-Einsatz: G9 II.
→ OM System OM-1 im ausführlichen Test
MFT-Objektive und Systemüberblick
Micro Four Thirds ist das meistunterstützte spiegellose Objektivsystem — mit über 100 nativen Objektiven von Panasonic, OM System, Sigma, Voigtländer und Cosina. Einige Empfehlungen speziell für die G9 II:
- Panasonic Leica 12-60mm f/2.8-4 OIS — universelles Zoom, Dual IS kompatibel, IP53
- Panasonic Lumix 8-18mm f/2.8-4 — Weitwinkelzoom, IP53, Dual IS
- Sigma 18-35mm f/1.8 (MFT) — lichtstarkes Zoom für Portrait und Indoor
- OM System 40-150mm f/2.8 PRO — Telezoom für Wildlife, IP53, schneller AF
→ Micro Four Thirds vs APS-C: Welches System ist richtig für dich?
Für wen lohnt sich die G9 II?
| Nutzertyp | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Wildlife-Fotograf | Sehr empfehlenswert | Tier-/Vogelerkennung, 60 fps, IP53 |
| Video-Hybrid | Sehr empfehlenswert | 4K/120p, C4K/60p, V-Log L, RAW-HDMI |
| Sportfotograf | Empfehlenswert | 60 fps elek., Phasendetektion |
| Reisefotograf | Bedingt empfehlenswert | IP53 gut, aber ~658 g |
| Einsteiger | Nicht ideal | Preis und Komplexität zu hoch |
| Low-Light / Nacht | Bedingt empfehlenswert | MFT weniger lichtempfindlich als FF |
Unsere Empfehlung
Die Panasonic Lumix G9 II ist die beste Kamera für Fotografen und Videografen, die dem Micro-Four-Thirds-System treu bleiben wollen — und ein vollständig ausgestattetes Profigehäuse suchen. Phasendetektions-AF, 8-EV-IBIS, 4K/120p und IP53 in einer Kamera: Das gibt es sonst nur in der Vollformat-Klasse zu deutlich höheren Preisen.
Für reine Fotografie mit Fokus auf maximale Burst-Geschwindigkeit und minimalem Rolling Shutter ist die OM System OM-1 durch den gestapelten Sensor eine starke Alternative. Für alle, die Video und Vielseitigkeit priorisieren, ist die G9 II die klare Empfehlung im MFT-Segment.
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Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen G9 und G9 II?
Der wichtigste Unterschied ist der Autofokus: Der G9 (2017) arbeitete ausschließlich mit kontrastbasiertem DFD-AF; der G9 II hat erstmals Phasendetektions-Pixel auf dem Sensor. Dazu kommt ein neuer 25,2-MP-Sensor (vs. 20,3 MP), 4K/120p-Video (vs. 4K/60p), verbesserter IBIS (8 EV vs. 6,5 EV) und modernisierte Motiverkennung mit 6 Klassen. Der G9 II ist in jeder Kategorie der deutlich stärkere Nachfolger.
Ist Micro Four Thirds 2026 noch ein sinnvolles System?
Ja — MFT hat klare Vorteile: das breiteste Objektiv-Ökosystem aller spiegellosen Systeme, kompaktere und leichtere Teleobjektive (das 300mm-Äquivalent einer Vollformat-Kamera wiegt bei MFT nur die Hälfte), und IP53-versiegelte Profigehäuse unter 2.000 Euro. Für Wildlife, Sport und Video-Hybrid-Einsatz ist MFT eine vollwertige Profi-Wahl. Für Portrait-Bokeh und Low-Light unter ISO 3200 sind Vollformat-Systeme technisch überlegen.
→ Micro Four Thirds vs APS-C im Detail
Wie gut ist der Autofokus der G9 II bei Tieren und Wildtieren?
Die G9 II erkennt Tiere (Körper, Gesicht) und Vögel (Körper, Auge) aktiv und trackt sie durch das Bild. Die Vogelaugen-Erkennung bei 60 fps elektronischem Shutter ist das Leistungsfähigste, was Panasonic je in einem G-Modell gebaut hat. Im direkten Vergleich mit Sony A9 III oder Nikon Z9 bei sehr schnellen Motiven liegt die G9 II zurück — für die meisten Wildlife-Situationen mit Vögeln, Säugetieren und Insekten ist die Leistung aber vollständig praxistauglich.
Welches Objektiv ist der beste Einstieg für die G9 II?
Für Allround und Reise: Panasonic Leica 12-60mm f/2.8-4 OIS — Dual IS kompatibel, Wetterschutz, vielseitig. Für Wildlife und Sport: OM System 100-400mm f/5-6.3 IS — 200–800mm Äquivalent, leicht und schnell. Für Video: Panasonic Lumix 10-25mm f/1.7 — konstante Blende über den gesamten Zoombereich, Cine-Bedienung.
Wie gut sind die Videoaufnahmen der Panasonic Lumix G9 II?
Die G9 II ist eine der stärksten Video-MFT-Kameras: 4K/120p für native 4K-Zeitlupe, C4K/60p ohne Crop, 5,7K Open Gate für flexiblen Schnitt und V-Log L für professionelle Log-Workflows. HDMI RAW-Ausgabe ermöglicht ProRes RAW auf externen Recordern wie dem Atomos Ninja. Im Vergleich zur GH6 bietet die G9 II zusätzlich Phasendetektions-AF — ein großer Vorteil für Videoaufnahmen mit sich bewegenden Motiven.
Welche Objektive sind für die G9 II empfehlenswert?
Die G9 II unterstützt alle MFT-Objektive (Panasonic, OM System, Sigma, Voigtländer). Für Dual IS — maximale Stabilisierung — werden OIS-Objektive von Panasonic benötigt. Top-Picks: Panasonic Leica 12-60mm f/2.8-4 (Allround), OM System 12-40mm f/2.8 PRO II (lichtstarkes Zoom), Sigma 56mm f/1.4 Contemporary (Portrait), OM System 40-150mm f/2.8 PRO (Wildlife). Das MFT-Ökosystem bietet über 100 native Objektive in allen Kategorien.
Wie ist das Wärmemanagement der G9 II bei langen Videoaufnahmen?
Die G9 II ist für Clips und semi-professionellen Video-Einsatz konzipiert. Bei 4K/60p erreicht die Kamera je nach Umgebungstemperatur nach ca. 30–60 Minuten das thermische Limit und unterbricht automatisch. Für kurze Clips, YouTube-Content und Interviews unter 20 Minuten ist das kein praktisches Problem. Für mehrstündige Event-Videografie empfiehlt sich HDMI-Recording auf einen externen Recorder — das reduziert die interne Prozessorbelastung und verlängert die Aufnahmedauer.
